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EDV-gestützte Selbstgespräche

Verschiedenes mit einem Schwerpunkt auf Musik

Die­ses Blog­gen ist wirk­lich unglaub­lich schwer. Weil, es gibt ja nichts zu sagen. Es ist alles gesagt. Bitte glaubt mir. Zum Ver­zwei­feln! Ich war letz­tens schon kurz davor, aus lau­ter Not was über mei­nen Penis zu schrei­ben. Das wäre ein neuer Tief­punkt gewe­sen, aber es wäre zumin­dest dem Anschein nach Con­tent gewe­sen. Ein paar Ascii-Zeichen in wir­rer Rei­hen­folge, die diese furcht­ba­ren Wetter-Icons von der obers­ten Posi­tion der Start­seite ver­drän­gen. Aber man muss es ja nicht über­trei­ben. Nicht um jeden Preis, dachte ich mir. Das mit dem Penis hebe ich mir für noch schwe­rere Stun­den auf.

Es pas­sie­ren natür­lich schon Dinge, bei denen ich dachte, da könn­test du mal wie­der was ins Blog schrei­ben. Zum Bei­spiel, dass der Google Rea­der am 1. Juli abge­schal­tet wird. Und was das für eine him­mel­schrei­ende Saue­rei ist. Da hat bestimmt noch nie­mand drü­ber geb­loggt. Die hohen Her­ren von Google mei­nen wohl, sie kön­nen sich alles erlau­ben, wie!? Zum Thema Google Rea­der habe ich einen Arti­kel auf Halde, der mit einem pas­sen­den Bibel­zi­tat beginnt:

Ich bin nackt von mei­ner Mut­ter Leibe gekom­men, nackt werde ich wie­der dahin­fah­ren. Der HERR hat’s gege­ben, der HERR hat’s genom­men; der Name des HERRN sei gelobt!

Nur, wen inter­es­siert bitte der Google Rea­der? Oder wer weiß, was der Google Rea­der ist? Das ist kein gutes Thema, um die Mas­sen zu mobi­li­sie­ren, was aber erklär­tes Ziel mei­nes Blogs ist.

Dann habe ich hier noch einen Artikel-Entwurf über Edward Snow­den, Prism-Whistleblower. Der Arbeits­ti­tel lau­tet „And then a hero comes along“. Was für ein fuck ner­di­ger Mist. Wird nicht fort­ge­führt, wird nicht veröffentlicht.

Aber so kam es, dass ich mal wie­der an die frühe Mariah Carey dachte und mir die Melo­dien nicht mehr aus dem Ohr gin­gen. Was für ein lie­bes Mäd­chen sie doch mal war. Ich war immer ein biss­chen Fan von ihr, in den 90ern, dem „guten Jahr­zehnt“, wie ich es nenne. Ja, ich gebe das gerne hier zu, und ja, ich habe Ame­ri­can Psy­cho durch­aus gese­hen. Wei­ter­le­sen »

Freie Wetter-Icons

2007 habe ich mal ein Set von Wetter-Symbolen erstellt, die seit­her auf einer mei­ner Web­sites zum Ein­satz kamen. „Inhalt­lich“ waren sie von den frü­hen Pik­to­gram­men von Donnerwetter.de inspi­riert (die kann man zum Bei­spiel hier noch bewun­dern). Gestal­te­risch heben sie sich aber deut­lich davon ab. Da sie viel­leicht noch benutz­bar sind, ent­lasse ich die Din­ger hier­mit fei­er­lich in die Gemein­frei­heit / Public Domain (vgl. CC0 1.0).

Es han­delt sich um 24 GIF-Dateien im For­mat 108 × 75 Pixel, und sogar die Vektor-Datei habe ich wie­der­ge­fun­den (AI-Format). All das gibt es hier zum Down­load.

Auflistung der Wetter-Symbole

Und hier noch­mal für Goog maschi­nen­les­bar: son­nig / klar, hei­ter, wol­kig, bewölkt / bedeckt, Nebel, ver­ein­zelt Regen, Regen, Schnee, Schnee­re­gen, wech­sel­haft mit Regen, wech­sel­haft mit Schnee, Gewitter.

Sternstunden der Menschheit

Zu den gro­ßen ver­kann­ten Genies unse­rer Zeit gehört der Typ, der im Labor unter der Coca-Cola Com­pany haust. Die einen glaub­ten lange, er sei irre, andere ver­lach­ten ihn nur. Aber eines Tages kam er nach oben, nass­ge­schwitzt, asch­fahl, aus­ge­mer­gelt, und er ver­schlug der Welt den Atem. Er hatte solange Was­ser mit Insek­ti­zi­den, ätzen­den Säu­ren und ande­ren mys­ti­schen Sub­stan­zen ver­rührt, bis am Ende Coke Zero in den Rund­kol­ben tropfte. Was für ein Elexier hat die­ser Alche­mist, die­ser Hexen­meis­ter ent­deckt! Ein Gebräu, das Nähr­werte wie klars­tes Berg­quell­was­ser auf­weist, und den­noch genieß­bar ist. Mein Gott. An die­sem Tag hat der Mensch die Natur ein­mal mehr in ihre Schran­ken verwiesen.

Ist ein bes­se­res Pro­dukt als Coke Zero denk­bar? Was könnte bes­ser sein als ein grob an Cola erin­nern­des Getränk, das 0 Kalo­rien, 0 % Zucker, 0 % Fett, 0 % gesät­tigte Fett­säu­ren und 1 % Natrium enthält?

Die Ant­wort lau­tet: Null-Zucker-Cola, die in mit „ja!“ eti­ket­tierte Fla­schen gefüllt und zu einem Preis ver­tickt wird, der einem die Scha­mes­röte ins Gesicht treibt. Ich traute mei­nen Augen nicht, als ich die Teile bei Rewe ent­deckt habe. Ganz unten, gut ver­steckt im Regal, reser­viert für den anspruchs­vol­len, preis­be­wuss­ten, infor­mier­ten, pre­kär leben­den Kon­su­mis­ten von heute. Für mich.

78 Cent für 2 x 1,5 Liter ja! Cola null Zucker ergibt einen Liter­preis von 26 Cent. Das ist doch eine schöne Sache. Das äqui­va­lente Coca-Cola-Produkt kos­tet das Drei– bis Vierfache.

Aber stell Dir vor, Du bringst das beste Pro­dukt der Welt zum Selbst­kos­ten­preis auf den Markt, und kei­ner kapiert es. Das scheint Rewe mit die­ser Cola pas­siert zu sein, wenn ich das jüngste Label-Redesign rich­tig deute. Nun düf­ten letzte Unklar­hei­ten aus­ge­räumt sein…

Die weiteren Aussichten

Wer guckt sich schon die Wet­ter­vor­her­sage im Fern­se­hen an? Das ist ja wohl nur Ober­flä­che! Ich will Details, ich will Zusam­men­hänge, ich will die ganze Härte, und die bekomme ich nur direkt vom DWD. Hier die Vor­her­sage bis Don­ners­tag zum Anhö­ren
(Text hier, © Deut­scher Wetterdienst)

Viel­leicht mache ich da einen täg­li­chen Pod­cast draus.

Spaziergänge im Osten
Teil 1: Deutschland

Ende März hos­pi­tierte ich bei einem selt­sa­men Expe­ri­ment: Wie lange würde man mit einem roten Nis­san Micra, der in meine Hosen­ta­sche passt, unauf­hör­lich gen Osten fah­ren kön­nen? Her­aus­ge­kom­men ist eine Grand Tour durch Deutsch­land, Polen und die Ukraine. Ein paar wirre Reisenotizen.

Dieses erste Kapi­tel betrach­tet den deut­schen Stre­cken­ab­schnitt mit den Sta­tio­nen Göt­tin­gen, Leip­zig, Dres­den und Gör­litz. Ich will aller­dings gleich vor­aus­schi­cken, dass es mög­li­cher­weise dabei bleibt. Meine Schreib­blo­ckade ver­läuft der­zeit uner­hört qual­voll. Jeder Ver­such eines Gedan­kens fühlt sich an, als wenn ein glü­hen­des Schwert durch mei­nen Schä­del gesto­ßen wird. Jedes getippte Wort ver­ur­sacht beim erneu­ten Lesen aku­tes Mise­rere. Diese ange­strengt gestelzte, reak­tio­näre Spra­che, wen soll das bitte von was über­zeu­gen? Und diese Ego­ma­nie! Wozu? Wenn ich drü­ber nach­denke, kommt mir das alles in der Tat sinn­los und ekel­er­re­gend vor. Aber ich will nicht jam­mern. Es muss ja sein. Wir gucken mal, wie weit wir kom­men. Wei­ter­le­sen »

Die Spezies

Ich wollte frü­her immer einen kran­ken Igel durch den Win­ter brin­gen. Es gab zwar nie einen, aber ich war bes­tens vor­be­rei­tet. Im Tier­freund holte ich mir das zoo­lo­gi­sche Exper­ten­wis­sen. Dort erschie­nen regel­mä­ßig aus­führ­li­che Anlei­tun­gen, was man bei der Igel-Rettung alles beach­ten und wel­che stren­gen Vor­aus­set­zun­gen ein Igel-Winterquartier erfül­len muss.

Kom­men wir zu einem ande­ren Thema: Zur­zeit ist in Müns­ter der Wohn­raum wohl knapp, wie man hört. Also haben sich die Stadt, die Uni usw. zusam­men­ge­tan, um in die­ser Not den Schwächs­ten in der Stadt­ge­sell­schaft, den Stu­den­ten, bei­zu­ste­hen. Sie haben eine Kam­pa­gne gelauncht. Ange­spro­chen sind alle Bür­ger, „die in Müns­ter und Umge­bung noch ein Plätz­chen frei haben“ (muenster.de).

Was bedeu­tet das eigent­lich, Wohn­raum an Stu­den­ten zu ver­mie­ten? Was muss man hier alles beach­ten? Wel­che spe­zi­el­len Vor­aus­set­zun­gen muss die­ser Wohn­raum erfül­len? Hier hilft die Kampagnen-Website dem ver­un­si­cher­ten Laien wei­ter, indem sie Aus­kunft über die art­ge­rechte Hal­tung von Stu­den­ten gibt:

Das alte Kin­der­zim­mer eig­net sich unter Umstän­den her­vor­ra­gend für Stu­die­rende. Sie soll­ten jedoch dar­auf ach­ten, dass aus­rei­chend für die Pri­vat­sphäre der Stu­die­ren­den gesorgt ist. Ein Schlüs­sel für das Zim­mer sollte auf jeden Fall vor­han­den sein, eine eigene Wasch­ge­le­gen­heit oder ein zusätz­li­ches Bad macht die Lage noch bes­ser. Leer­räu­men müs­sen Sie das Zim­mer auch nicht unbe­dingt: Viele Stu­die­rende freuen sich, wenn schon ein paar Möbel da sind und mie­ten diese gerne mit.

Auch das Dach­ge­schoss eines Hau­ses bleibt oft völ­lig unge­nutzt oder dient bloß als Abstell­flä­che für alte Möbel. Dabei eig­nen sich auch Dach­bö­den gut als Stu­die­ren­den­zim­mer, weil sie vom Rest der Woh­nung getrennt sind.

Dem kann ich mich nur anschlie­ßen: Müns­te­ra­ner! Helft die­sen pos­sier­li­chen, klei­nen Gesel­len. Legt eure Hei­zungs­kel­ler mit Zei­tungs­pa­pier aus. Sichert eure Lüf­tungs­schächte ab. Rich­tet Obst­kis­ten wohn­lich ein und stellt Nist­hil­fen in eure Gär­ten. Gebt die­sen bedroh­ten Säu­gern ein Heim. Helft Studenten!

Bild: Wiki­me­dia Commons/public domain

Der Knall, die Stille und das Chaos


Direkt-Video

Bos­ton Mara­thon, Ziel­ein­lauf an der Boyls­ton Street, vor gut drei Stun­den. Das unwirk­li­che Video wurde auf­ge­nom­men von Steve Silva, Sport­re­por­ter des Bos­ton Globe.

Friedman/Schlingensief

Ach, ist das auch schon wie­der zehn Jahre her, diese legen­däre Aus­gabe von Durch die Nacht mit… vom Januar 2003? Michel Fried­man zeigt Chris­toph Schlin­gen­sief sein Frank­furt. Die Folge ent­stand wäh­rend der Antisemitismus-Debatte um Möl­le­mann, in die die bei­den auf unter­schied­li­che Wei­sen invol­viert waren. Ein schö­nes Doku­ment der Zeitgeschichte.

Man geht zum Ita­lie­ner, trifft sich aus irgend­ei­nem Grund mit Han­ne­lore Els­ner, guckt sich Kunst von Damien Hirst an, dis­ku­tiert und schreit sich an. Es ist alles ein biss­chen wie in einem expres­sio­nis­ti­schen Gemälde. Und irgend­wie wie der Blick in eine ver­gan­gene Epo­che. Fried­man bekam ein paar Monate spä­ter ein Pro­blem mit sze­ne­ty­pi­schen Päck­chen. Schlin­gen­sief erlag 2010 dem Krebs.

Eurobubble70 über­treibt nicht, wenn sie oder er auf Youtube kommentiert:

mei­ner Mei­nung nach DER Fernseh-Klassiker der letz­ten ~20 Jahre, 2 Figu­ren die man ein­fach nicht erfin­den kann.

Sehr rich­tig. Wenn das jemand kom­plett tran­skri­bie­ren und 1:1 in die Thea­ter brin­gen würde — ich würde hingehen.


Direkt-Link

Mein Facebook-Profilfoto.
Bildanalyse und kritische Würdigung

Das Selbst­por­trät mit der Bild­un­ter­schrift „Steinzeit-Diät, Tag 47″ (960 × 540 Pixel, JPEG, 40 KB) wurde am Nach­mit­tag des 16. Februar 2013, einem Sams­tag, mit einer Web­cam der Marke Micro­soft im 16:9-Format auf­ge­nom­men. Einige Minu­ten spä­ter wurde das Foto im sozia­len Netz­werk Face­book ver­öf­fent­licht. Seit­dem illus­triert es in ver­klei­ner­ter, beschnit­te­ner, qua­dra­ti­scher Aus­füh­rung („Thumbnail“) das Facebook-Profil des Ver­fas­sers die­ser Bild­be­spre­chung. Es wurde drei­mal kom­men­tiert und ein­mal geli­ked. Damit gehört es zu den meist­be­ach­te­ten Bei­trä­gen des Ver­fas­sers auf Facebook.

In Ori­gi­nal­größe zeigt das Bild­nis den Ver­fas­ser ober­halb der Brust, nur ein wenig rechts von der hori­zon­ta­len Bild­mitte sit­zend, vor der Küchen­zeile sei­ner kärg­li­chen Woh­nung. Im Hin­ter­grund wird der Betrach­ter zudem einer Tür mit Gla­s­ein­satz gewahr, die zu einem hell erleuch­te­ten Raum, einem Flur­raum, führt. Aber blei­ben wir zunächst im ers­ten Raum, der sich für eine nach­mit­täg­li­che Szene erstaun­lich düs­ter aus­nimmt. Nur ein Wand­vor­sprung (zur Lin­ken) und der Abge­bil­dete selbst sind in ein wei­ches, weiß­li­ches Licht getaucht. Es ist das Licht eines wol­ken­ver­han­ge­nen Febru­ar­tags, das durch ein gro­ßes Nord­fens­ter fällt.

Das rem­brandt­sche Hell­dun­kel ver­leiht dem Raum eine Tiefe, die bereits durch die Schräg-Perspektive auf die Küchen­zeile linear begrün­det wird. Die Hel­lig­keit lässt den Betrach­ter auf den Por­trä­tier­ten fokus­sie­ren, wäh­rend inter­es­sante Details im Hin­ter­grund erst auf den zwei­ten und drit­ten Blick offen­kun­dig wer­den. Neben einer Tee­kanne fällt ins­be­son­dere eine Viel­zahl an Früch­ten ins Auge, die in Beu­teln an einer Auf­hän­gung bau­meln. Es sind Äpfel und Oran­gen. Sie haben nicht zuletzt kom­po­si­to­risch eine tra­gende Funk­tion, spie­geln sie doch mit ihrem schwa­chen Leuch­ten das Leuch­ten hin­ter der Türe zum Flur wider. Die Früchte sor­gen als Far­bin­seln für dezente Dyna­mik im Kolo­rit, gleich­zei­tig sta­bi­li­sie­ren sie das Tableau. Wir erken­nen des Wei­te­ren eine Dres­sing­fla­sche sowie eine Tee­schach­tel sche­men­haft aus dem Dun­kel hervorscheinen.

Ein­ge­denk des Bild­ti­tels muss dem Betrach­ter klar wer­den, dass all diese Gegen­stände mit größ­ter Sorg­falt aus­ge­wählt und vir­tuos in Szene gesetzt wur­den. Moti­visch steht das Pro­fil­bild in der Tra­di­tion der Por­trät­ma­le­rei des Früh­ba­rock. Tee­kanne, Tee­schach­tel, Oran­gen, Äpfel, Salat­dres­sing — es sind iko­no­gra­phi­sche Attri­bute; Insi­gnien einer gesun­den Ernäh­rung. Die Aus­sage: Hier hat einer mit einem Leben in sün­di­ger Völ­le­rei abgeschlossen.

So sehr uns auch der Bild­ti­tel beim Deu­ten schein­ba­rer Klei­nig­kei­ten wei­ter­hilft, so sehr gibt er uns bei der Betrach­tung des Haupt­ge­gen­stan­des Rät­sel auf. „Steinzeit-Diät, Tag 47″: In pro­to­kol­la­ri­schem Stil wird auf eine Diät ver­wie­sen, die der Abge­bil­dete wohl seit meh­re­ren Wochen prak­ti­ziert. Was mag ihn dazu bewo­gen haben, diese Nach­richt gerade mit die­sem Gesichts­aus­druck zu bebildern?

Sein Ant­litz ist uns fast fron­tal zuge­wen­det. Wir betrach­ten einen auf­recht Sit­zen­den, des­sen Rumpf im Ver­hält­nis zum Kopf ein wenig nach rechts gewen­det ist. Der linke Arm ist mit aus­la­den­der Geste abge­stützt, wie man es von man­chen Nach­rich­ten­spre­chern kennt. Der offene Hemd­kra­gen unter blauem, kon­ven­tio­nel­lem Gewand spreizt sich weit aus­ein­an­der. Ver­we­gen­heit, Span­nung, Dyna­mik gehen aus der Pose her­vor. Ent­spannt wir­ken hin­ge­gen die blei­chen, asym­me­tri­schen Gesichts­züge. Die gro­ßen Augen bli­cken ruhig, fast leer, die Mimik scheint ernst, doch ansons­ten nicht klar deut­bar. Das Haar, das vom Dun­kel des Hin­ter­grunds nur schwer abge­grenzt wer­den kann, liegt unge­wohnt streng geschei­telt. Dunkle Augen­ringe legen beredt Zeug­nis davon ab, dass diese Auf­nahme nach einer durch­wach­ten Nacht ent­stan­den sein mag.

Was spricht aus die­sem Gesicht und der auf­rech­ten Hal­tung des Por­trä­tier­ten? Ist es Stolz auf ein neu gewon­ne­nes, wenn auch dif­fu­ses Gefühl ver­meint­li­cher Attrak­ti­vi­tät? Ist es tiefe Trauer — etwa über den Umstand, dass über­haupt eine Diät unaus­weich­lich gewor­den war? Spricht aus der Mimik gar kör­per­li­ches oder see­li­sches Leid, das aus der Man­gel­er­näh­rung einer Stein­zeit­diät not­wen­dig fol­gen muss? Ist es ein stum­mer Schrei um Hilfe, nach Liebe? Doku­men­tiert das Foto puren Nar­ziss­mus, einen Ner­ven­zu­sam­men­bruch, eine mani­sche Epi­sode oder ein­fach den Ver­such, das neu­tralst­mög­li­che Gesicht für Face­book zu gri­mas­sie­ren? Womög­lich wird die For­schung die­ses Mys­te­rium nie­mals ergründen.

Was man weiß: Wie bei der Hin­ter­grund­ge­stal­tung wurde nichts dem Zufall über­las­sen. Das blü­ten­weiße Hemd kom­mu­ni­ziert mit dem hel­len Wand­vor­sprung, um die Gesamt­kom­po­si­tion auch hier zu fes­ti­gen. Das natür­li­che, kalte Licht gibt Gesichts­form und Ala­bas­ter­haut über­prä­size wie­der. Setzt man das Foto in Bezie­hung zu frü­he­ren Pro­fil­bil­dern auf Face­book, fällt auf, dass die­ser (durch­aus mutige) Hyper­rea­lis­mus neu ist. For­mal ist das Werk vor­ran­gig durch die Pop Art beein­flusst. Schon die Wahl des 16:9-Querformats deu­tet auf einen Bruch mit her­ge­brach­ten Por­trät­schu­len hin; offen­bar sol­len Asso­zia­tio­nen zum Popu­lär­me­dium Film getrig­gert wer­den. Das Bild­nis könnte der Ein­zel­f­rame eines öffentlich-rechtlichen Fern­seh­spiels sein, ent­nom­men aus einer Schnitt/Gegenschnitt-Sequenz der Kate­go­rie „Erns­tes Gespräch am Küchentisch“.

Viele Betrach­ter haben auf die Ver­öf­fent­li­chung des Facebook-Profilbildes mit Sprach­lo­sig­keit rea­giert. Das ist ange­sichts der Kom­ple­xi­tät, die dem Werk inne­wohnt, ver­ständ­lich und klug. Die­ses Por­trät­foto ist ein Uni­ver­sum für sich, das kei­ner­lei erläu­tern­der Worte bedarf.

Nach all den Jahren


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Wer zufäl­lig mal eine Folge der Lin­den­straße sehen möchte, die nicht enorm suckt, kann sich mal die obige Folge Nr. 1417 angu­cken. In  Alles ist anders vom letz­ten Sonn­tag liegt wegen eines EHEC-Ausbruchs (man ist ja aktu­ell) unge­fähr der halbe Cast im Ster­ben. Da lacht mein schwa­ches Zuschauer-Herz, das so viel erdul­den musste.

Na klar, die Freude ist nicht unge­trübt. Die größ­ten dra­ma­tur­gi­schen Feh­ler: Es gibt einen anstren­gen­den Beimer-Ziegler-Nebenplot (was eine Tau­to­lo­gie ist); Sarah Zieg­ler hat zu viel Text und zu viele Sze­nen und wird zu oft gezeigt; Sarah Zieg­ler ist nicht der­je­nige Cha­rak­ter, der am Ende stirbt.

Man kann in die­ser Folge besich­ti­gen, wie red­lich sich die Macher im Rah­men ihrer allzu begrenz­ten Mög­lich­kei­ten bemü­hen, die Serie zu moder­ni­sie­ren. Pfif­fige Schnitte, crazy Ein­stel­lun­gen und neue Erzähl­stra­te­gien „aus Ame­rika“ fin­den ihren Weg in die 27 Jahre alte Klein­bür­ger­saga. Man­che Sze­nen­auf­lö­sun­gen sind 1:1 von For­ma­ten wie Lost pla­gi­iert inspi­riert. Ein Bei­spiel dafür gibt es gleich in der ers­ten Szene zu bewun­dern, wo erst am Ende klar wer­den soll, wer denn da eigent­lich liegt. Von Lost kommt womög­lich auch die Idee, das Geplap­per der Lin­den­sträß­ler von Zeit zu Zeit aus­zu­blen­den und minu­ten­lange Pop­klänge dar­über­zu­le­gen. Teil­weise wer­den seit ein paar Jah­ren sogar talen­tierte oder attrak­tive Schau­spie­ler enga­giert, die jedoch natur­ge­mäß nicht lange bleiben.

Die Erneue­rung schließt auch ein akti­ves Mar­ke­ting mit ein. Die Lin­den­straße ist auf Twit­ter und Face­book prä­sent, um den ero­die­ren­den Markt­an­tei­len irgend­was ent­ge­gen zu hal­ten. In einem offi­zi­el­len Youtube-Kanal wer­den „Highlight-Folgen“ wie diese hier ver­öf­fent­licht. Vor jeder Aus­strah­lung bal­lern Social-Media-Professionals Tweet-Salven raus wie „Jetzt ‚Bericht aus Ber­lin‘ — danach #Lin­den­strasse @DasErste @ARD_BaB“, „in 5 Minu­ten star­tet #Lin­den­strasse @DasErste @WDR“ und „Vor­spann läuft — #Lin­den­strasse ab @DasErste @WDR“. Noch span­nen­der ist die Facebook-Seite, auf der trans­pa­rent wird, mit was für Leu­ten man sich diese Serie so rein­zieht. Vie­len der Fans scheint die letzte Folge psy­chisch arg zuge­setzt zu haben. Das erfährt man bei der Lek­türe der Kom­men­tare. Ver­ständ­lich. Um es mit Judith P. zu sagen:

„Armer alex der tut mir so mega leit Ales ich hab mit dir geweint“