In einer ansonsten längt vergessenen Ära hatte ich mal Staatsorganisationsrecht bei Christoph Möllers. Die Vorlesung fand frühmorgens im Erdgeschoss des Philosophenturms in familiärer Atmosphäre statt. Ich hatte mich sogar einmal gemeldet und etwas gesagt, ohne verlacht zu werden, was Bände über seine didaktischen Fähigkeiten verrät. Und ich habe die Klausur mit befriedigend bestanden, wenn ich mich nicht täusche. Wer wählt den Bundespräsidenten und wer den Bundeskanzler? — auf diesem Niveau war Jura in Ordnung. Es war das erste Semester.
Mich hat Christoph Möllers immer ein bisschen an Michael J. Fox in der Serie Chaos City erinnert. Das lag vor allem an seiner Frisur, aber auch an dieser jugendlichen, adretten, dynamischen Michael-J.-Fox-Art. Er, Möllers, war damals gerade aus Amerika gekommen und erzählte Anekdoten aus dem Supreme Court. In Hamburg war er nur ein Semester zur Vertretung. Mittlerweile ist er Professor in Berlin, als Nachfolger von Bernhard Schlink („Der Vorleser“), wie Wikipedia weiß.
Manchmal begegnet mir Christoph Möllers als Experte in irgendwelchen Medien. Ich habe jetzt gelesen, dass er als „Leitfigur der jüngeren Staatsrechtslehrergeneration“ gilt und „einer der jungen Stars seines Fachs“ ist. Das freut mich für ihn. Womöglich wird er mal BVerfG-Präsident und damit der ungefähr mächtigste Mann in Deutschland. Diese Woche hat er ein ganzseitiges Interview im Zeit-Feuilleton mit Ijoma Mangold („Die Vorleser“). Auf dem Foto sieht er etwas fertig aus (wieder eine Parallele zu Michael J. Fox). Ich frage mich, was die Leute von der Zeit sich bei der Auswahl dieses Fotos gedacht haben. Vielleicht wirkte er auf sie tatsächlich etwas fertig.
Es geht um Demokratie und die Piraten. Von denen hält Möllers offenbar nicht allzu viel. Das Thema Internet trage nicht so weit wie z. B. das Ökologiethema der Grünen. Dafür hat er auch eine Begründung, die ich allerdings nicht ganz begriffen habe. Außerdem sollten politische Entscheidungen lieber innerhalb der bestehenden Strukturen gefällt werden, als gleich jedes Mal einen „eigenen Klub“ dafür zu gründen. Man hätte an der Stelle mal fragen können, was er zur Idee von Roman Herzog sagt, die 5-%-Hürde anzuheben, aber das wäre vielleicht zu konkret fürs Feuilleton gewesen.
Christoph Möllers selbst ist SPD-Mitglied. „Man versteht die Welt besser, wenn man irgendwo einen Ort hat, an dem man nicht nur auf seinesgleichen trifft.“ Was aber, wenn es nur Orte gibt, an denen man nicht auf seinesgleichen trifft? Das in etwa ist meine Situation und ich habe nicht das Gefühl, die Welt besonders gut zu verstehen. Wahrscheinlich braucht man einfach beides, wenn man das gerne möchte.
Ein paar Dinge, die ich im Interview zum ersten Mal gelesen habe:
- Das Wort arkan
- „Die Piraten fordern eine Stärkung der Unabhängigkeit des Bundesverfassungsgerichts“
- „Selbstreferenzialität ist eine Form der Professionalisierung“
- Colin Crouch
Und hier noch ein Porträt im Zeitmagazin über Christoph Möllers von 2011.
Update (18.5.): Das Interview gibt es nun auch online (ohne das Foto)